Historischer Kalender 2017

Foto: Archiv Ernst und Renate Biesel

Bauernhaus Familie Biesel um 1965

Das Kalenderblatt zum März zeigt das Bauernhaus der Familie Biesel (heutige Adresse Habacherstraße 17, umgangssprachlich "uff da unnerschd Kipp") aus einer leichten Vogelperspektive ca. im Jahr 1965.
Erbaut wurde das Haus in den Jahren 1930-1931 von den Eheleuten Ernst und Katharina Biesel, die hier in einem landwirtschaftlichen Betrieb Milch und Fleisch produzierten. Ab 1984 wurden die Milchkühe dann abgeschafft, wobei weiterhin Rinder und Schweine zur Fleischproduktion gehalten wurden, welche dem Hof jedoch ebenfalls im Jahr 2000 weichen mussten. Lediglich ein Schaf namens "Getrud" wurde weiterhin als Haustier behalten.
Gegenwärtig beherbergt die Anlage vier Generationen einer Familie, was in der heutigen Zeit zu einer echten Rarität geworden ist.
Das Bild wurde von Ernst und Renate Biesel zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Foto: Archiv Reiner Brack

Grubenunglück Luisenthal 1962

Am 07. Februar 1962, um 7.50 Uhr ereignete sich im Alsbach-Feld der Grube Luisenthal eine Schlagwetterexplosion. In diesem Bergwerksbereich arbeiteten an diesem Tag 664 Bergleute. Die Explosion ereignete sich in 600 m Tiefe. Insgesamt forderte dieses Unglück 299 Tote.

Darunter waren acht Bergleute aus Landsweiler:

1. Otmar Bard, Zum Sägewerk 2, geb. 01.09.1939 (22 Jahre alt), nicht verheiratet

2. Josef Fediuk, Kettelerstraße 20, geb. 02.06.1920 (41 J.), verheiratet mit Johanna Geid, Kinder: Peter, Mariette (Drebes), Norbert, Martina (Trampert)

3. Reinhold Hoffmann, Falscheider Straße 43, geb. 13.02.1934 (fast 32 J.), verheiratet mit Theresia Schmitt, Kind: Annerose (Willms)

4. Nikolaus Knodt, Heusweilerstraße 99, geb. 20.03.1915 (46 J.), verheiratet mit Barbara Hoffmann, Kinder: Elfriede (Gudisch), Hans Josef (+), Reinhilde (Hinke), Monika (Mohrhard)

5. Josef Krächan, Dornheckstraße, geb. 25.02.1914 (48 J.), verheiratet mit Melanie Elisabeth Kleer

6. Norbert Schmitt, Heusweilerstraße 43, geb. 29.03.1934 (28 J.), verheiratet mit Elisabeth Thewes,  Kind: Lothar (Lou)

7. Theodor Schmitt, Habacher Straße 4, geb. 11.10.1913 (48 J.), verheiratet mit Martha Paul, Kinder: Hildegard (Irsch), Raimund

8. Kunibert Weber, Ringstraße 3, geb. 12.11.1932 (29 J.), verheiratet mit Irma Schmitt, Kinder: Erika (Kreutzer), Marliese (Eibes)

Die zentrale Trauerfeier am 10. Februar, an der auch Bundespräsident Heinrich Lübke teilnahm, fand im alten Park der Grube Luisenthal statt. 287 Särge waren aufgebahrt. Eine Ehrenwache aus allen Bergbaurevieren hielt die Totenwache. Anschließend wurden die Toten in ihre Heimatgemeinden überführt. Im Altarraum unserer Kirche wurden sieben Särge aufgebahrt – Josef Krächan wurde in Heusweiler beigesetzt – und Knappen hielten die Ehrenwache. Am Sonntag, dem 11. Februar wurden die Toten unter Anteilnahme der gesamten Ortsbevölkerung auf unserem Friedhof in einem gemeinsamen Grab beigesetzt.

Quelle: Das Grubenunglück von Luisenthal, in: Landsweiler Geschichtsbilder S. 88f

 

Anmerkung zum Bild:

Deutlich zu erkennen sind Gregor Brack (1. v.l.) und Peter Zapp (dahinter), die damals beide als SPD-Mandatsträger dem Gemeinderat angehörten. Die weiteren Prozessionsteilnehmer sind leider aufgrund der Bildqualität nicht eindeutig zu identifizieren.

Das Bild wurde von Reiner Brack zur Verfügung gestellt, die zusätzlichen Informationen lieferte wieder Allé Biesel. Beiden sei hierfür herzlich gedankt.

 

 

Foto: Archiv Gerstner/Biesel

hinten v.l.: Erich Eisenbarth, Siegfried Engel, Jürgen König, Ludwig Knobe ("langer Louis")

vorne v.l.: Donatus Schmidt („Fischer“), Josef Jenal, Mathias Mees, Dietmar Gerstner

es fehlen aus diesem Jahrgang: Donatus Jenal, Manfred Brost ("Hering"), Hermann-Josef Geid, Josef Gleßner, Karl Heinrich Laick und Erwin Brost ("Sommer", Neffe von Manfred Brost, wohnte im selben Haus) 

Aufnahmeort: ASKO-Treppe, heute Heizungsbau Martin Brack

 

Als Ziehungsbuben bezeichnete man junge Burschen (vor Vollendung ihres 18. Lebensjahres), die zur Musterung bestimmt waren.

 

Musterung

a) allgemein:

Musterung ist eine Untersuchung der körperlichen und geistigen Eignung eines Menschen für den Wehrdienst.

Während der Zeit der Wehrpflicht (1956 bis 2011) war die Musterung für alle männlichen Staatsangehörigen in Deutschland gesetzlich geregelt. Seit Aussetzung der Wehrpflicht ist die Musterung nur noch bei einer freiwilligen Aufnahme in die Bundeswehr notwendig. Je nach körperlicher Verfassung gab es folgende Einstufungen der Wehrpflichtigen in Tauglichkeits-grade:

- tauglich

- eingeschränkt tauglich

- vorübergehend untauglich

- dauernd untauglich

Aber auch in der Verwendbarkeit, also die Fähigkeiten und Kenntnisse, die einen Wehrpflichtigen für bestimmte Tätigkeiten besonders befähigten, wurde entschieden.

Es gab auch Wehrdienstausnahmen z.B. Verheiratete, für bestimmte Berufsgruppen (z.B. Landwirte, Bergleute) und Organisationen (Katastrophenschutz wie Feuerwehr, DRK, THW u.a.).

Nicht jeder Wehrpflichtige wurde sofort zum Wehrdienst herangezogen. In vielen Fällen wurde eine Zurückstellung gewährt, z.B. Besuch einer Schule oder für die Zeit einer Ausbildung.

Außerdem bestand die Möglichkeit, den Wehrdienst zu verweigern.

 

b) in Landsweiler

Im Regelfall gab es eine Sammeluntersuchung der Ziehungsbuben eines Ortes im Kreiswehrersatzamt (Saarlouis). Für diesen Tag staffierten sich die Kandidaten mit einem Strohhut, einem Bambusspazierstock und einem Anstecker aus. Oft zogen sie nach der Musterung in Landsweiler von Haus zu Haus, um Eier zu sammeln. Diese wurden dann abends in einer Wirtschaft (z.B. beim Schässchen oder off der Mill) von der Wirtin als Rühr- oder Spiegeleier zubereitet. Der abgebildete Jahrgang verzichtete jedoch auf das Sammeln von Eiern. Die angegebene Jahreszahl ist lediglich als grobe Einordnung zu verstehen. 

Die letzten organisierten Ziehungsbuben waren 1968 (?) unterwegs (Geburtsjahrgang 1950).

 

Das Bild sowie der dazugehörige Text wurden von Allé Biesel zur Verfügung gestellt. Außerdem wurden ergänzende Informationen von Hermann Brachmann hinzugefügt. Vielen Dank dafür an beide! Allgemein sind ergänzende Informationen (am besten per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!) immer willkommen.  

 

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